Ernährung und Dialyse

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Das Prinzip der Ernährung bei Dialyse

  • Ausreichend Energie
  • Kaliumarm
  • Phosphorarm
  • Eiweißreich
  • Begrenzte Flüssigkeitszufuhr
  • Natrium- bzw. Salzarm

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Energie

Der tägliche Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht liegt bei 35 - 40 kcal.

Beispiel: 60 kg x 40 kcal = 2400 kcal am Tag

Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr liegt vor, wenn es weder zu einer Gewichtsabnahme noch zur Gewichtszunahme kommt. Um einen Eiweißabbau zu verhindern, ist eine ausreichende Nährstoffaufnahme unbedingt notwendig.

Der Körper gewinnt die Energie (kcal) aus:

Kohlenhydraten 1 g liefert 4 kcal
Fett 1 g liefert 9 kcal
Eiweiß 1 g liefert 4 kcal
Alkohol (kein Nährstoff) 1 g liefert 7 kcal

Unser Ziel ist, Mangelernährung zu stoppen.

Mögliche Folgen einer Mangelernährung:

  • Untergewicht
  • Muskelschwund
  • Immunschwäche
  • Knochenschäden
  • Organschäden
  • Herzversagen

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Kalium

Kalium ist ein wasserlöslicher Mineralstoff, der in Lebensmitteln in unterschiedlicher Menge vorkommt. Die Kaliumausscheidung erfolgt im Körper überwiegend über die Niere. Die Dialyse kann die Kaliumentfernung nicht vollständig ersetzen. Je nach Restfunktion der Nierentätigkeit kann der Kaliumwert im Blut ansteigen.

Der normale Kaliumspiegel im Blut liegt bei 3,6 - 5,5 mmol/l. Wünschenswert ist ein Kaliumspiegel im Serum unter 5 mmol/l, tolerierbar ist er bis 5,9 mmol/l.

Ein hoher Kaliumspiegel bewirkt:

  • Muskelschmerzen bzw. -schwäche
  • Herzrhythmusstörungen
  • Lebensbedrohliche Zustände, Herzstillstand (über 6,5 mmol/l)

Die tägliche Kaliumzufuhr sollte 2000 - 2500 mg nicht überschreiten, wobei der individuelle Blutwert der Maßstab für die erlaubte Kaliumaufnahme ist.

Kalium kommt in größeren Mengen vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Es ist wasserlöslich und kann in der Menge durch entsprechende Zubereitung reduziert werden.

Reduzierung des Kaliumgehaltes um 20 - 50 %:

  • Zerkleinern und wässern (mind. 3 Std., 5- bis 10-fache Wassermenge)
  • Kochen mit viel frischem Wasser
  • Wasser während des Kochvorgangs wechseln
  • Saft und Sud nicht verzehren
  • Obst und Gemüse ohne Saft aus Glas oder Konserve entnehmen
  • Tiefkühlkost ohne Abtauwasser verwenden

Verzehrsempfehlung für kaliumreiche Nahrungsmittel:

Nahrungs-
mittel
moderater Kaliumgehalt erhöhter Kaliumgehalt extrem
kaliumreich
Obst Insgesamt 125 g/Tag frisch: Apfel, Birne, Heidelbeere, Sauerkirsche oder 50 - 75 g/Tag frisch: Erdbeere, Grapefruit, Mandarine, Nektarine, Orange, Pfirsich, Pflaume, Süßkirsche.
Gegartes Obst ohne Saft ist kaliumärmer als Frischobst.
Aprikose, Banane, Honigmelone, Johannisbeere, Kiwi, Rhabarber. Kleine Portionen, gegart, ohne Saft. Obstsaft, Trockenfrüchte, Avocado, Kakao, Nüsse, Mandeln, Samen wie Sonnenblumenkerne
Gemüse Insgesamt 50 - 100 g/Tag als Rohkost:
Eisbergsalat, Chicoree, Radicchio, Kopfsalat, Chinakohl, Feldsalat, Gurke, grüne Paprika, Zucchini
Wässern und garen: Broccoli, Fenchel, Grünkohl, Karotten, Kohlrabi, Porree, Kartoffeln, Kohl, Schwarzwurzel, Sellerie, Spinat, Tomaten, Wirsing, alle Pilze außer Shiitake Hülsenfrüchte, Gemüsesaft, Tomatenmark, -ketchup, Pellkartoffeln, Pommes frites, Kartoffelfertigprodukte
Getreide-
produkte
Weißbrot, -brötchen, Toastbrot, Graubrot, Cornflakes, Reis (poliert), Nudeln, Grieß 1 - 2 Scheiben Vollkornbrot pro Tag Gebäck mit Nüssen u. Trockenobst
Gewürze Kräuter als Alternative zum Salz.
Pfeffer, Paprika, Curry, Muskatnuss
größere Mengen Kräuter Diätsalz, Salzersatz, natriumarme Diätprodukte auf Kaliumbasis sind lebensgefährlich!

Fleisch und Fisch enthalten ebenfalls Kalium. Durch Garen in reichlich Flüssigkeit kann auch hier Kalium eingespart werden. Zur Geschmacksverbesserung nochmal kurz anbraten.

Milch- und Milchprodukte enthalten sowohl Kalium als auch Phosphor. In der Regel bleibt die Aufnahme von Kalium durch die Phosphoreinschränkung begrenzt.

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Phosphor

Phosphor ist ein Mineralstoff, der in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlicher Menge vorkommt. Phosphor kann über die Dialyse nicht so effektiv ausgeschieden werden wie durch eine intakte Niere. Die Verbindung von Phosphor mit Sauerstoff wird als Phosphat bezeichnet. In den Lebensmitteln wird der Gehalt als Phosphor bestimmt, im Blut als Serum-Phosphat.
1 mg Phosphor entspricht 3 mg Phosphat.

Phosphor ist, ebenso wie Calcium, eine wichtige Bausubstanz für Knochen und Zähne. Außerdem ist Phosphor bei der Aktivierung von Enzymen und bei der Energieübertragung in den Körperzellen beteiligt.

Ein hoher Phosphatgehalt im Blut aber bewirkt eine verstärkte Calciumfreisetzung aus den Knochen. Es kann zu Calciumeinlagerungen in Gelenken und Gefäßen kommen.

Phosphor kommt als natürlicher Inhaltstoff vor allem in eiweißreichen, tierischen Lebensmitteln vor. Phosphor lässt sich durch Zubereitung nicht aus Speisen herauslösen. Die Phosphorzufuhr kann nur über eine gezielte Lebensmittelauswahl gesenkt werden. Die tägliche Aufnahme sollte 1200 mg nicht überschreiten.

Das Ziel: weniger Phosphor – ausreichend Eiweiß

Nahrungsmittel So viel darf es sein
Milch und Milchprodukte
wie Joghurt, Kefir, Dickmilch
bis zu 250 ml pro Tag.
Für die Zubereitung von Milchspeisen, Milchersatz:
1/3 Sahne + 2/3 Wasser-Gemisch
Quark 250 g pro Woche
Fleisch, Geflügel, Wild 3 x die Woche 125 g
oder 725 g Fleisch- und Wurstwaren pro Woche
Wurstwaren 2 Scheiben bzw. 50 g pro Tag
Eigelb 1 - 2 pro Woche, Eiklar enthält fast kein Phosphor
Käse Frischkäse, Sauermilchkäse, Weichkäse wie Brie
bis 90 g pro Tag = 625 g pro Woche.
Im Austausch zu Weichkäse sind maximal 125 g Schnittkäse (3 - 4 Scheiben pro Woche) möglich.
Schmelzkäse, Scheibletten, Emmentaler u. Tilsitter sind wahre Phosphorbomben, besser weglassen.
Brot Günstig sind Weiß- oder Graubrot.
Vollkornbrot enthält mehr Phosphor. Brot ohne Teigsäuerung ist phosphorärmer.
Getreideflocken Cornflakes haben einen niedrigen Phosphor- und Kaliumgehalt.
Beilagen Reis enthält weniger Phosphor als Nudeln,
Nudeln enthalten weniger Phosphor als Kartoffeln.

Folgende Zusatzstoffe enthalten Phosphor und sind daher zu meiden:

  • E 338 Orthophosphatsäure
  • E 339 Natriummonophosphat
  • E 340 Kaliummonophosphat
  • E 341 Calciummonophosphat
  • E 343 Magnesiumorthophosphat
  • E 450 a Diphosphat
  • E 450 b Triphosphat
  • E 450 c Polyphosphat
  • E 540 Dicalciumphosphat
  • E 543 Dicalciumnatriumphosphat
  • E 544 Calciumpolyphosphat

"Versteckte" phosphorhaltige Zusatzstoffe:

Säuerungsmittel in Colagetränken
Verdickungsmittel im Pudding
Lockerungsmittel in Backwaren
Kutterhilfsmittel in Wurstwaren
Schmelzsalze im Käse

Phosphatbinder:

Kann der Phosphatgehalt im Blut durch die Nahrung nicht ausreichend eingeschränkt werden, können Phosphatbinder eingesetzt werden. Phosphatbinder binden das Phosphat im Darm. Wichtig ist daher, dass die Phosphatbinder immer unmittelbar zu den Mahlzeiten eingenommen werden, da sie sonst wirkungslos bleiben.

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Eiweiß

Der tägliche Eiweißbedarf liegt bei 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Eiweiß sorgt in erster Linie für den Aufbau und Erhalt körpereigener Substanz und muss täglich mit der Nahrung aufgenommen werden.

Eiweißabbau verursacht Wasser-, Kalium- und Phosphatfreisetzung, außerdem geht während der Dialyse Eiweiß verloren. Deshalb ist es wichtig, genügend Eiweiß zu verzehren.

Leider ist an Eiweiß in der Regel auch Phosphor gebunden. Um dennoch genügend Eiweiß und nicht zu viel Phosphor zu verzehren, ist es günstig, pflanzliche und tierische Eiweiße zu kombinieren. Folgende Nahrungsmittel ergänzen sich in ihrer Eiweißzusammensetzung besonders gut:

Günstige Eiweißkombinationen:

Getreide + Milchprodukte Brot, Brötchen mit Weichkäse oder Quark
Cornflakes, Getreideflocken mit Milch oder Joghurt
Nudeln mit Käse
Reisauflauf mit Käse überbacken
Kartoffeln + Milchprodukte Kartoffelgericht mit Käse (Auflauf)
Kartoffeln m. Kräuter-Quark od. Joghurt
Kartoffeln + Ei + Eiklar Kartoffeln mit Spiegelei
Kartoffelpuffer
Kartoffelplätzchen
Getreide + Ei + Eiklar Nudeln oder Reissalat mit Ei
Nudelauflauf mit Ei

Eine ausreichende Eiweißzufuhr ist wichtiger als eine streng phosphorarme Ernährung!

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Flüssigkeitsbilanz

Wichtig ist ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt. Die tägliche Flüssigkeitsaufnahme sollte bei 500 - 800 ml plus Restausscheidung liegen. Die tägliche Gewichtszunahme 500 bis max. 1000 g nicht überschreiten. Zu viel Wasser im Körper belastet das Herz- und Kreislaufsystem und erschwert die Dialysebehandlung.

  • Speisen, die viel Flüssigkeit, enthalten müssen mitberechnet werden. Dazu gehören Suppen, Soßen, saftiges Obst, aber auch Joghurt und Kompotte.
  • Es ist hilfreich, die Trinkmenge abzumessen und zu notieren.
  • Kalte und heiße Getränke sind bessere Durstlöscher als lauwarme Getränke.
  • Süße Getränke und sehr süße Speisen erhöhen das Durstgefühl.
  • Auch stark gesalzene und gepökelte Nahrungsmittel verursachen Durst, z.B. gepökelte und geräucherte Fleischwaren, Sardellen, Salzheringe, Matjes, Rollmops, Fertiggerichte, Fertigsuppen, Brühwürfel und Käsegebäck.
  • Gefährlich ist Diätsalz auf Kaliumbasis (Lebensgefahr!).
  • Frische Kräuter sind eine gute Alternative zum Salz.

Weitere Maßnahmen, um das Durstgefühl zu verringern:

  • Mund ausspülen, Zähne putzen und Mundspray verwenden
  • Zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons (Menthol) konsumieren
  • Zitronenecken aussaugen
  • Langsam und kontrolliert trinken
  • Essen statt trinken

Das Durstgefühl ist auch geringer, wenn während einer Dialyse weniger Flüssigkeit entfernt werden muss.

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Fett

Fett ist der Hauptenergielieferant in unserer Ernährung und dient zusätzlich dem Gefäßschutz. Fette enthalten kaum Kalium und Phosphor.

Besonders günstig sind hochwertige pflanzliche Öle als Zubereitungs- und Streichfett:

  • Olivenöl
  • Sojaöl
  • Maiskeimöl
  • Rapsöl
  • Sonnenblumenöl
  • Ungehärtete Pflanzenmargarine (Reformmargarine)

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Vitamine

Bei der Dialyse werden dem Blut wasserlösliche Vitamine entzogen, außerdem gehen Vitamine beim Wässern und Kochen von Obst und Gemüse verloren.

Um dennoch genügend mit Vitaminen versorgt zu werden, können zusätzlich wasserlösliche Vitamine vom Arzt verordnet werden.

Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sollten nur unter ständiger ärztlicher Kontrolle genommen werden, da eine Überversorgung mit ihnen gesundheitliche Schädigungen zur Folge hat.

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